Eine Gemeindechronik ist kürzlich fertiggestellt worden (64 Seiten, A4) und kann für 3,-- € im Gemeindebüro bzw. den Gemeindehäusern erworben werden. Sie umfaßt die 90jährige Geschichte nebst Vorgeschichte der Gemeinde und beschreibt gemeindebezogene Aktivitäten, Personen und Bauten dieser Zeit.
Die Entstehung der Gemeinde
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde im Westen Charlottenburgs reichlich gebaut: die Siedlungen Eichkamp, Ruhleben und Heerstraße entstanden rasch hintereinander. Daher errichtete das Ev. Konsistorium der Mark Brandenburg 1919 die Kirchengemeinde "Berlin-Heerstraße". Gottesdienste fanden zunächst in der Waldschule bzw. in der Epiphanienkirche statt. Die Gegend um Lyckallee und Tannenbergallee war seinerzeit noch locker bebaut, auf dem Grundstück Nr. 6 befand sich seit 1916 das Atelier des damals bekannten Bildhauers Professor Wilhelm Wandschneider, ein Fachwerkhaus mit einer großzügigen Glasfront zur Tannenbergallee hin. Die dramatische Veränderung der wirtschaftlichen Lage in den 20er Jahren in Deutschland zwang Wandschneider 1926, das Atelier zu verkaufen. Die Kirchengemeinde erwarb es für 70.000 Reichsmark und baute es zu einer Kapelle um.
Durch die rasch zunehmende Bebauung der Region wuchs auch die Zahl der Gemeindemitglieder, 1929 waren es 6.400. Aus diesem Jahr stammt auch das ursprüngliche Pfarrhaus in der Kranzallee 13. Große Pläne eines Kirchen-Neubaus an der Waldschulallee wurden aus vielerlei Gründen nicht ausgeführt: so blieb es bei einem Umbau mit Erweiterung der alten "Atelier-Kapelle". Nun musste auch die Glasfront weichen, an dieser Stelle wurde der Altarraum errichtet. Der Baukörper wurde vergrößert und erhielt einen abtrennbaren Konfirmandensaal. Außen entstand der freistehende Glockenturm. Die Einweihung der Kirche in der Tannenbergallee erfolgte im Oktober 1932.
Das Gemeindehaus in Ruhleben stammt von 1934. Die Kirchengemeinde errichtete es mit Unterstützung durch die Interessengemeinschaft der Kleinsiedlung Ruhleben auf einem von der Stadt Berlin zur Verfügung gestellten Grundstück (Murellenweg 1).
1935 wurde das Gemeindehaus Eichkamp am Zikadenweg von der Kirchenge-meinde gebaut. Nach dem Krieg beherbergte das Haus den Kindergarten der Gemeinde, seit 1961 befindet sich die Kindertagesstätte Maikäferpfad im Neubau nebenan.
Ebenfalls aus den 30er Jahren stammt auch das Einfamilienhaus in der Tannenbergallee 8. Es wurde erst 1964 von der Landeskirche erworben und diente als Küster- und Schwesternwohnung. Seit 1992 ist es Pfarrhaus.
Die Pfarrer der Ev. Friedensgemeinde Charlottenburg:
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| Pfarrer Suin de Boutemard | 1923 - 1927 |
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| Pfarrer Ernst Gürtler | 1928 - 1948 |
| Pastorin Dr. Gertrud Frischmuth | 1933 - 1973 |
| Pfarrer Günter Keusch | 1948 - 1959 |
| Pfarrer Dr. Alexander Nikolitsch | 1959 - 1982 |
| Pfarrer Peter-Friedemann Behrend | 1974 - 1997 |
| Pfarrer Dr. Christoph Rhein | 1982 - 1992 |
| Pfarrerin Viola Kennert und Pfarrer Michael Kennert | 1992 - 2005 |
| Pfarrer Michael Kennert | seit 2005 |
| Pastor Till Sauer, mit der Fusion der Gemeinde "Grünes Dreieck" | 2000 - 2006 |
| Pfarrerin Susanne Dannenmann | seit 2009 |
Die Geschichte des neuen Gemeindehauses
Das alte Gemeindehaus und zugleich das alte Pfarrhaus der Friedenskirche liegt in der Kranzallee 13, ein großzügiger Bau von 1929. Es wurde 2001 an einen privaten Investor verkauft. Von einem Teil des Erlöses konnte der Neubau eines Gemeindehauses neben der Friedenskirche in der Tannenbergallee finanziert werden. Das brachliegende Grundstück zwischen Kirche und Teufelsseestraße erwarb die Gemeinde von der Landeskirche. Geplant war dieses Vorhaben schon seit mehr als 20 Jahren, aber erst 2003 begannen die Arbeiten nach einem Entwurf des Architekturbüros Lehrecke und Lehrecke. Am 29. August 2004 konnte das Haus eingeweiht werden.
Das architektonische Konzept
Funktion
Kirche und Erweiterungsbau bilden eine funktionale Einheit mit klar verteilten Aufgaben. Man betritt den Neubau über einen Vorplatz zwischen Alt- und Neubau. Das großzügige Foyer öffnet sich nach Süden zu einem großzügigen, gepflasterten Außenbereich. Es lädt die Besucher nach Gottesdiensten oder Trau- und Taufgesellschaften zum Verweilen ein.
Im Erdgeschoss ist Raum für Kindergottesdienst, Gesprächsgruppen, Chorproben, Seniorengymnastik oder Festivitäten der Gemeinde. Im Obergeschoss befindet sich ein Gruppenraum für den Konfirmandenunterricht, Seminare und Sitzungen mit Austrittsmöglichkeit auf eine großzügige Dachterrasse. Im Keller befinden sich die Sanitäreinrichtungen und Lagerräume.
Gestaltung
Der Erweiterungsbau ist gegenüber der Kirche, die im Heimatstil der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts erbaut ist, als einfacher, untergeordneter, klarer und moderner Baukörper ausgebildet. Eine formale Unterscheidung zu dem Bestehenden wird auch durch die Verkleidung des Neubaus mit einer horizontalen Lamellenbekleidung aus Lärchenholz erreicht. Das Gebäude setzt damit ein deutlich eigenständiges, jedoch unaufdringliches und maßvolles Zeichen zur Teufelsseestraße hin.
Die geplante Inneneinrichtung soll durch Leichtigkeit und Mobilität gekennzeichnet sein, um die multifunktionale Verwendung der Räume zu gewährleisten. Die Oberflächen werden farbig abgestimmt. Der Akustik des Foyers ist besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden.
Außenanlagen
Die Planung der Außenanlagen folgt einer einfachen, funktionalen Konzeption. Die wichtigsten Bäume sind erhalten geblieben und definieren den Außenraum. Der Zugang wird durch einen Vorplatz erkennbar gemacht. Die Erschließung erfolgt über die vorhandene Zufahrt und führt auf einen Eingangs- und Vorplatzbereich. Dies ermöglicht einen stufenlosen Zugang für die Rollstuhlfahrer, Fahrräder und Kinderwagen von der Tannenbergallee aus. Vom Parkplatz an der Teufelsseestraße aus ist ebenfalls ein Zugang möglich. Die Einfriedung des Grundstücks erfolgt mit einem Holzzaun in Anlehnung an die Gestaltung der Lärchenholzfassade des Neubaus.
Text und Grafik Lehrecke und Lehrecke Architekten